Sozialwirtschaft und Recht – das neue Fach im Sozialzweig der Fachoberschule beinhaltet viele rechtliche Fragestellungen.

Dass es dabei nicht unbedingt um Straftaten, Verbrechen oder Vergehen geht, konnte den Schülerinnen und Schülern der Klasse S12c im Unterricht nähergebracht werden. Ihr Interesse daran wurde jedoch nicht geschmälert.

So hat sich die S12c für einen spontanen Unterrichtsgang zum Amtsgericht entschieden. Das Amtsgericht Passau ist das große, rote Gebäude gegenüber der Cafebar in der Altstadt. Dass uns gleich zu Beginn ein seltsam spannender Moment erwarten würde; damit konnte niemand rechnen. Wir nehmen Platz in dem Gerichtssaal, der uns bereits im Vorfeld zugewiesen worden ist. Eine Strafverhandlung über Diebstahl ist angekündigt. Zeugen, Gutachter, Staatsanwältin, Rechtsreferendarin und der Angeklagte mit seinem Verteidiger sitzen stillschweigend auf den Bänken. Nachdem der Richter den Sitzungssaal betritt, stellt der Anwalt den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Allen wird schnell klar, dass dies bedeuten würde, wir müssen den Gerichtssaal auch gleich wieder verlassen. Der Richter zieht sich zurück, verlässt den Gerichtssaal und kündigt an, gleich wieder vor Ort zu sein. Es vergehen einige Minuten absoluter Stille, in denen sich wirklich niemand der Anwesenden zu sprechen traut, eine Situation, die man sonst in der Klasse S12c nicht unbedingt gewohnt ist! Gefühlt dauert es eine halbe Ewigkeit, bis der Richter wieder zurückkehrt und nun tatsächlich die Öffentlichkeit ausschließt, u.a. mit der Begründung, dass die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Anstalt angedacht ist. Mit der Aufforderung, den Gerichtssaal nun zu verlassen, macht sich große Enttäuschung bei uns breit.

Die Angestellten vor Ort bemühen sich jedoch gleich darum, eine Alternative für uns zu finden. Wir stoßen in eine andere Gerichtsverhandlung mit drei Angeklagten und drei Anwälten sowie einer Dolmetscherin für arabische Sprache. „Kaum anders als im Fernsehen wie bei Barbara Salesch oder Alexander Hold“, sei es bei dieser Verhandlung zugegangen, meint die Klasse hinterher. Lediglich der Richter sei weit seriöser gewesen und hatte vor allem eine andere sprachliche Ausdrucksweise als die Richter im Fernsehen. Der Richter habe viel leisten müssen, hat versucht, den Sachverhalt detailliert nachzukonstruieren und stieß dabei auf sprachliche Barrieren und das Problem, dass der Fall schon weit über ein Jahr zurückliegt, sodass sich weder Zeugen noch Angeklagte noch genau an den Tathergang erinnern konnten. Es geht um eine Schlägerei im Juni 2018 vor dem Cubana. Das Durcheinander der unterschiedlichen Aussagen wirft immer wieder neue Fragen auf. Die Stimmung ist irgendwie aufgeheizt, Vorurteile gegenüber gesellschaftlichen Gruppen werden bedient. Zugegebenermaßen hat man hier nicht viel rechtlich Relevantes gelernt. Der Einblick in den Gerichtsalltag war trotzdem sehr interessant und den Ausflug wert!

Klasse S12c mit Frau Stern

Amtsgericht S12c

 

 

   
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