Erfahrungen aus der Perspektive einer Lehrerin

Jubel gab es in meiner Klasse, als Ministerpräsident Söder am 13. März die Schließung der Schulen verkündete. Dass die bevorstehende Zeit keine Ferien sein werden, war den Schülern zunächst nicht wirklich klar! Mittlerweile ist die anfängliche Euphorie jedoch allgemeiner Ernüchterung gewichen. Meine Schüler treffe ich weiterhin, nun aber virtuell per Videokonferenz! Dort erfahre ich auch, dass die Jugendlichen die aktuelle Situation keineswegs mehr als erfreulich betrachten. So manch einer hat Angst vor Ansteckung, andere beklagen den fehlenden persönlichen Kontakt zu Freunden. Einigen fällt es schwer, den eigenen Arbeitstag zu strukturieren, sich frühzeitig aus dem Bett zu quälen, obwohl es keinen verpflichtenden Gang zur Schule mehr gibt. Motivationsprobleme für das Lernen im home office entstehen auch, weil lange Zeit nicht klar ist, ob die Abiturprüfungen verschoben werden. Orientierung in dieser unsicheren Zeit gibt regelmäßig unsere Beratungslehrkraft Ursula Tomschy mit praktischen Tipps zur Gestaltung eines Schultages zu Hause. Und unsere Schulseelsorgerin Julia Gais ist mit ihrem Angebot „Let’s walk and talk“ nun auch online für diejenigen da, denen daheim die Decke auf den Kopf fällt.
Als Lehrerin für Wirtschaft an der FOS BOS Passau bin ich froh, dass wir als Schule nicht nur seelsorgerisch, sondern auch digital gut aufgestellt sind. So verfügen wir mit mebis sowie einer weiteren, schuleigenen Plattform schon lange über digitale Kommunikationsstrukturen und mussten diese nicht erst jetzt neu aufbauen. Die Klicks auf der Homepage meines Kollegen Andreas Ott (www.die-ott-casts.de), der dort Erklärvideos und andere Unterrichtsmaterialien veröffentlicht, sind zwischenzeitlich exponentiell angestiegen. Hartnäckige Kritiker der Digitalisierung scheinen zu verstummen und zeigen sich experimentierfreudig. Sogar die Kooperation unter uns Kollegen wird erleichtert, da Digitales auch leichter austauschbar ist.
Für meinen persönlichen online-Unterricht wird mir aber auch schnell bewusst, dass es keineswegs ausreicht, digitales Material in digitalen Ordnern abzulegen! Genau das ist kein angemessener und vernünftiger Ersatz für Präsenzunterricht. Erst der persönliche Kontakt zu den Schülern, zumindest über die Videokonferenzen, und die gezielte, kleinschrittige Aufbereitung von Unterlagen mit täglichen Arbeitsaufträgen bringt mich mit meinen Schülern weiter. Doch eingeforderte Hausaufgaben müssen auch korrigiert werden! Eine individuelle, tägliche Rückmeldung zu jeder bearbeiteten Hausaufgabe bei circa sechs zu betreuenden Klassen bringt mich an meine Leistungsgrenze und das, obwohl wir glücklicherweise kleine Klassenstärken haben. Wieder stelle ich um und entwickle ein neues System. Zu schwierigen Teilaufgaben erstelle ich Erklärvideos und beantworte nun individuell Schülerfragen, wenn jemand bei einer Aufgabe gerade nicht mehr weiterkommt; und dies von früh bis spät, weil die Schüler zu ganz unterschiedlichen Zeiten lernen!

Als Feedback erhalte ich von Huda, einer Schülerin der 13. Klasse folgende Aussage:
„Der Unterricht Zuhause ist etwas ganz Neues für mich und ich bemerke, dass ich viel effektiver arbeite als in der Schule. Da ich keine Frühaufsteherin bin, fiel es mir im Unterricht immer schwer, gut aufzupassen. Aber durch den Unterricht Zuhause, kann ich mir die Zeiten selber einteilen und so besser mitlernen. Wenn dabei eine Aufgabe unklar ist, stelle ich meine Fragen der jeweiligen Lehrkraft per E-Mail. Anders als im Unterricht, denn dort stört man ungern mit Fragen. Ich glaube, der Unterricht Zuhause kann einwandfrei funktionieren, wenn es ein einheitliches Vorgehen der Lehrkräfte gibt.“

Emilie, 11. Klasse, hingegen meint:
„Ich finde es zum einen gut, wie das ganze so abläuft mit dem online Unterricht, da man entspannt aufstehen kann und in Ruhe, ohne Hektik, seine Aufgaben bearbeiten kann. Was ich nicht so gut finde, ist, dass man bei Aufgaben, die man jetzt nicht so gut versteht, den betreffenden Lehrer nicht so einfach fragen kann und eine verständliche Antwort erhält, da es einfacher ist, persönlich miteinander zu sprechen. Dann ist es auch leichter zu verstehen.“

Bereits in meiner Lehrerausbildung habe ich eine wichtige Leitlinie für guten Unterricht gelernt: „Die Schüler dort abholen, wo sie stehen!“ Aus pädagogischer Sicht zeigt sich für mich einmal mehr, dass gerade die Digitalisierung eine große Möglichkeit zu individuellem Lernen bietet! Der persönliche Kontakt zu den Schülern ist und bleibt aus meiner Sicht trotzdem unabdingbar! Virtuelles Treffen kann persönliches Treffen nicht ersetzen! Als Übergangslösung funktionieren Videokonferenzen und Co nur deshalb gut, weil über das Schuljahr hinweg persönliche Beziehungen und Vertrauensverhältnisse aufgebaut wurden! Genau diesem guten Zusammenhalt an unserer Schule, der FOS BOS Passau, ist es zu verdanken, dass wir zumindest schulisch gut durch diese Krisenzeit kommen!

Bettina Stern, OStR

Videokonferenz W11c

   

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