Upgrade bei den Passauer Bühnenhelden

Mit Coach Lea Karolina Brunner zu mehr Professionalität

10.06.2026

Artikel

„Brennt Benz Bremslicht nicht, bremst der Benz schlicht nicht.“ Das Warm-up der Theatergruppe neigt sich mit dem Zungenbrecher für die Stimmbildung dem Ende zu. Das ca. halbstündige Warm-up ist dieses Jahr als Ritual in der Theater-AG fest etabliert. Lea Karolina Brunner achtet dabei akkurat auf den Wechsel von Konzentration und Entspannung. Trinken und Quatschen nur nach Ansage! Diese neue Disziplin tut den Passauer Bühnenhelden gut. Mit der Athanor-Absolventin Lea haben sie neben Julia Gais nun nicht nur einen professionellen Schauspiel-Coach, sondern auch eine Co-Regisseurin. IMG 20260610 WA0009Behutsam leitet Lea die Nachwuchsschauspieler durch schwierige Szenen – und wieder hinaus. Wie würgt man jemanden authentisch, ohne den Spielpartner zu verletzen? Wie mimt man eine unerwünschte, erotische Annäherung, die so im realen Alltag tabu wäre? Die Unterstützung ist nötig, bei dem, was sich das Ensemble der Passauer Bühnenhelden heuer vornimmt. Auf dem Programm steht eine modernisierte Bühnenadaption des düsteren Jugendbuchklassikers „Krabat”. Julia Gais verlegt den Handlungsort des Stücks, das sich lose an der Handlung des Romans und seinen Motiven orientiert, auf den künstlich errichteten Inselstaat Atoll X. Dieser liegt in den Gewässern vor der Westküste Afrikas, die reich an Rohstoffen und Naturschätzen ist. Interessenskonflikte sind vorprogrammiert.
Wie im Original ist auch hier der Herrscher über dieses Reich, der Meister, ein charismatischer und mächtiger Mann. Er lockt junge, ambitionierte Männer mit dem Versprechen unbeschränkter Selbstentfaltung in seinen autarken Inselstaat und spannt sie für seine Zwecke ein. Wohl dem, der ihm gehorcht!
Auch bei dieser Produktion stellt die Bühnengestaltung die Truppe vor große Herausforderungen. Zentrales Kulissenelement ist ein hoher Serverturm in Form eines Obelisken, der Saurons Auge symbolisiert und für schwarze Macht und Totalüberwachung steht. Sein Bau verlangt technisches Know-how und handwerkliches Geschick.
Neben dem Besuch von Baumärkten und IT-Seiten stand bei den Freitagstreffen aber auch ganz klassisch der Besuch eines Theaterstücks der Athanor-Akademie auf dem Programm. Das Drama „Liebe. Eine argumentative Übung“ über das Schicksal der emanzipierten und erfolgreichen Olivia Öl (Anmerkung: Kennt sie jemand? Nein? Spoiler: Das ist Teil des Problems! Olivia ist die Freundin von Muskel-Matrose Popeye) zeigte uns eine radikal weibliche Perspektive auf eine ungleiche Paarbeziehung und veranschaulichte die Vielfalt von Bühneninszenierungen. Während die Passauer Bühnenhelden Geschichten mit klarem Handlungsverlauf auf die Bühne bringen, erinnerte „Liebe“ mit seinen wortgewaltigen, (selbst)reflexiven Monologen und Dialogen eher an einen Blick durchs Kaleidoskop. Auch die sparsam gestaltete Kulisse erinnerte daran, dass die Bühne als reiner Illusionsraum funktionieren kann, wenn andere theatrale Mittel – allen voran die schauspielerische Leistung – ausdrucksstark sind. In dieser Hinsicht konnten die Schauspielerinnen das Ensemble der Passauer Bühnenhelden voll und ganz überzeugen. Letztere erinnerten sich daran, dass bis zur Premiere von „Krabat“ noch ein langer Weg zurückzulegen ist.

Julia Gais, OStRin

 

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